Linde

Bist Du schon mal ganz bewusst unter einer blühenden Linde gestanden und hast mit geschlossenen Augen den zarten, süßlichen, Honig ähnlichen Geruch eingeatmet? Nein?! Dann solltest Du das unbedingt mal tun. Was du hingegen nicht tun solltest ist, Dein Auto unter einer blühenden Linde zu parken. Dieses wird danach mit hoher Wahrscheinlichkeit klebrig sein. Warum dies so ist erzähle ich Dir später.

 

Zuerst einmal die typischen Merkmale, anhand derer Du die Linde einfach erkennen und unterscheiden kannst. Bei uns heimisch sind die Sommer- und die Winterlinde. Beide haben herzförmige, am Rand gezahnte Blätter, die sich in ihrer Erscheinung jedoch voneinander unterscheiden. So sind die der Sommerlinde etwas länger, weicher und dünner als die der Winterlinde, die eher dicklich und steif wirken. Die Blattunterseite der Sommerlinde ist grün, wohingegen die der Winterlinde eher ein gräuliches blaugrün ist. Das mag Dir nun etwas kompliziert erscheinen, insbesondere, da die beiden Kandidaten nicht unbedingt nebeneinander stehen. Es gibt jedoch am Blatt einen ganz markanten Unterschied, der dir auf jeden Fall verrät, welche Linde du nun vor dir hast. Die Blattunterseite der Winterlinde hat direkt am Stielansatz kleine Härchen. Dieser Flaum ist rostrot und ein absolut sicheres Unterscheidungsmerkmal. Nun gilt es nur noch sicherzustellen, dass Sommer und Winter nicht vertauscht werden. Hier kann Dir als Eselsbrücke folgender Satz helfen: „Im Winter trägt die Dame Fuchs“ (ich möchte an dieser Stelle die Eselsbrücke nicht als Sympathie zum Pelztragen verstanden wissen, ganz im Gegenteil hege ich dafür eine große Abneigung). Nachdem nun bei der Bestimmung nichts mehr schiefgehen kann können wir uns ganz entspannt die Blüten und Blütenstände anschauen. Die Blüten sind klein, zierlich, blassgelb und haben viele feine Staubblättchen. Die Blüten baumeln kopfüber an einem dünnen Stängel, der am Ast sitzt. Am Stängelansatz befindet sich ein flügelartiges Tragblatt, welches dazu dient die Frucht zur Aussamung durch die Luft zu tragen. Die Sommerlinde hat 2-5 Blüten pro Blütenstand, die ca. zwei Wochen später blühende Winterlinde 5-11. Die Blüten verwandeln sich später in die Früchte. Diese sind bei der Sommerlinde größer, holziger und kantiger als bei der Winterlinde, die eher weiche, kleine und leicht zwischen den Fingern zerdrückbare Früchte hat.

 

Blätter, Blüten und Früchte der Linde sind essbar. Die Blätter können in Salaten, Pesto und Brotaufstrichen Verwendung finden. Mit den Blüten kann auch Honig aromatisiert sowie Süßspeisen und Salate dekoriert werden oder man brüht sich einen schmackhaften Tee auf. Die Früchte lassen sich wie Kapern in Salzlake oder Essig einlegen oder zu einem Kaffeeersatz verarbeiten.

Das Holz der Linde ist weich und gleichmäßig strukturiert und eignet sich daher hervorragend für Schnitzarbeiten. Aus den langen Bastfasern wurden einst Matten und Schuhe hergestellt. Auch heute wird Lindenbast noch für Bindearbeiten im Garten sowie zum Basteln verwendet.

 

In der Naturheilkunde wird der Linde eine vielfältige heilende Bandbreite zugesprochen. So soll sie nicht nur bei Rheuma, Migräne, Magen- und Unterleibschmerzen diese lindern, sondern auch beruhigend, schlaffördernd, blutdruck- und fiebersenkend sein. Auch vorbeugend zur Steigerung der Immunabwehr wird/wurde die Linde verwendet. Im Mittelalter wurde Lindenblütenwasser sogar als ein mögliches Schönheitsmittel erwähnt.

 

Eingangs hatte ich davor gewarnt, dass man sein Auto nicht unter einer Linde parken soll. Dies gilt insbesondere für die Blütezeit der Linde. Ebenfalls bietet es sich in diesem Zeitraum an, nicht länger unter einer solchen zu rasten, da man ansonsten ziemlich sicher von einem klebrigen Tröpfchenregen heimgesucht wird. Woher kommt dieser klebrige Regen? Insbesondere während der Blütezeit zieht der Baum vermehrt Blattläuse an. Diese ernähren sich vom kohlenhydrathaltigen Pflanzensaft der Lindenblätter. Sie scheiden als zuckerhaltiges Produkt den sogenannten Honigtau aus, der Autos, Menschen und alles was sich eben unter der Linde befindet mit einem klebrigen Film überzieht. Vom Honigtau wiederum ernähren sich neben Ameisen auch Bienen. Er ist ein wichtiger Ausgangsstoff für den aromatischen Wildhonig.

 

Die Linde ist aufgrund ihrer herzförmigen Blätter, ihrer Bandbreite an ihr zugeschriebenen Heilwirkungen und ihrem geringen Anspruch an den Standort ein symbolträchtiger und Mythen umworbener Baum. So ist sie nicht nur der Baum der Liebe, Gemeinschaft und der Gerechtigkeit sondern auch des Friedens. Unter ihr wurden Gerichtsverhandlungen abgehalten, deren Urteil als unanfechtbar galt. Auch zieren sie seit dem Mittelalter die Dorfzentren und bieten einen Platz zum Spielen, Tanzen und Verweilen. Aufgrund ihrer weichen Rinde lädt sie Liebende dazu ein, ihre Initialen in ihre Rinde zu schnitzen. So wird die Linde auch gerne besungen, wie zum Beispiel in „Kein schöner Land in dieser Zeit“ wo es heißt „…wo wir uns finden wohl unter Linden zur Abendzeit…“ oder im Volkslied „Am Brunnen vor dem Tore“  wo die  ersten Zeilen wie folgt lauten „…am Brunnen vor dem Tore da steht ein Lindenbaum. Ich träumt in seinem Schatten, so manchen süßen Traum. Ich schnitt in seine Rinde so manches liebe Wort.“

 

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Katharina Güls

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